Die erste Buchrezension meines Blogs ist über ein Buch, welches zwar schon 2012 erschienen ist (eine neue Version ist vor kurzem erschien, die habe ich aber noch nicht gelesen, kann mir aber vorstellen das sie auch sehr gut ist.), ich aber erst vor kurzem gelesen habe und das mir sehr gefallen hat. Kopfstand mit frischen Fischen – Mein Weg aus der Krise von Josef Zotter mit Wolfgang Wildner und Wolfgang Schober ist eine interessante Interviewsammlung, die zusammen eine gut lesbare Firmen- und Autobiographie ergeben. Im Laufe der Lektüre erfährt der Leser, wie Zotter über Umwegen zu  z o t t e r  wurde.

Aber bevor ich richtig anfange und es womöglich dann doch noch vergesse: Wer ist bloß dieser Josef Zotter? Also z o t t e r, das ist eine österreichische Schokoladenmarke, die Schokolade ist Bio und Fair und super lecker, aber das ist ein anderes Thema. In Kopfstand mit frischen Fischen geht es um die Entstehungsgeschichte der  z o t t e r  Schokolade (von der Firma  z o t t e r  und nicht über wie man Schokolade herstellt) und um den Werdegang des kreativen Kopfes, der  z o t t e r  Schokoladen Manufaktur, Josef Zotter.

Kopfstand mit frischen Fischen liest sich eher schnell, das liegt einerseits an dem lockerem oder wie Zotter sagt, “lässigem” Ton und andererseits möchte man nämlich immerzu wissen, was eigentlich danach passierte, denn auch wenn heute das Geschäft brummt, so war doch nicht immer alles in Butter oder eher in Schokolade. Viele Gründer würden aufgeben wenn ihnen Zotters Schicksal widerfahren wäre, Kredite, Kredite und noch mehr Kredite, Insolvenz, Kritik. Aber Zotter gibt dem Leser das Gefühl, dass alles genau so gekommen ist und passierte wie es seine sollte.  Häufig wird das Wort “hätte” gebraucht, an diesen Stellen wird eigentlich immer unterstrichen, dass alles genau so gekommen ist, wie es seien sollte.

Hätte ich nämlich schon damals Vollgas gegeben, hätte ich mit der Schokolade Schiffbruch erlitten. Da bin ich mir ziemlich sicher. (S.60)

Rückblickend wäre die  z o t t e r  Schokolade heute nicht mehr, oder sie wäre weniger gut, hätte Josef Zotter nicht seine Schwierigkeiten in der Anfangsphase gehabt. Diese Schwierigkeiten und Hürden haben nur zu einer guten Ausreifung der Ideen, Produktionsarten und Produkte beigetragen. Er denkt sogar, dass er wohlmöglich gar nicht seine Schokolade von der Bohne hinweg (Bean-to-Bar) selbst produzieren würde, sondern nur Schokoladenmasse kaufen würde. Daher kann ich mir vorstellen, dass dieses Buch eine klasse Lektüre für Gründer ist, auf jeden Fall wenn sie ungeduldig sind, Schwierigkeiten und Zweifel haben oder Dinge etwas anders machen oder machen wollen und nicht immer auf den Markt hören wollen.

Und dieser Markt ist auch ein Thema das Josef Zotter in den Interviews gerne anspricht. In seinem Werdegang hat er es sich verboten immer das zu tun, was der Markt diktiert. Das war nicht immer einfach, zum Beispiel, als er in Graz eine Konditorei betrieb wollte er partout keine Cremeschnitten oder Schaumrollen anbieten, also die Produkte, nach denen die Kundschaft fragte. Was sie bestimmt ein Bisschen, in der Anfangszeit zumindest, vergrault hat.

Ich wollte sowieso nur das machen, wovon ich überzeugt war, und auf keinen Fall das, was andere von mir wollten. (S. 20-21)

Diese Verhalten hat aber nicht mal dazu beigetragen, dass die Konditorei in die Insolvenz stützte, daran war eher die Angst zu teuer zu sein gemischt mit Liebe zu guter Qualität schuld. Ein Kapitel des Buches ist ganz dem Thema Markt gewidmet, es heißt “IDEEN-DIKTATUR und der blöde Markt, der schuld ist!”, in diesem geht es um Fragen auf wen denn bloß gehört wird um die neuen Schokoladensorten zu entwickeln. Da stellt sich raus, dass Josef Zotter der kreative Kopf hinter allen  z o t t e r  Schokoladensorten ist und dass es nicht einmal eine Marketingabteilung gibt, die Schokolade wird anscheinend nicht einmal probiert, bevor sie auf den Markt kommt. Er bemängelt, wie das Hören auf den Markt funktioniert,

Insgesamt legt die Produktentwicklung großen Wert darauf , dass alle Produkte , die sie entwickelt hübsch auf den Markt ausgerichtet sind. Wenn man vorher auch noch intensiv Marktforschung betrieben hat, dann ist man am Schluss wirklich schlecht dran, denn dann macht man genau das, was der Markt will. Aber damit ist man eh schon hintennach.(S. 117)

In seinen Augen ist man immer etwas hinterher, wenn man denn so brav auf den Markt hört. Lieber den Markt überraschen, als sich schlecht von einem oh so gut studierten und verstandenen Markt überraschen zu lassen.

Nicht nur die Art und Weise wie immerzu auf den Markt gehört wird, wird von Josef Zotter bemängelt, er kritisiert zum Beispiel auch, dass wir zu einer Wegwerfgesellschaft geworden sind. Die Leser werden in gewisser Weise dazu aufgerufen weniger Lebensmittel und Konsumgüter wegzuwerfen und mehr selbst zu kochen, wenn möglich mit Bioprodukten und nicht immer nur Billigfleisch vom Discounter. Die  z o t t e r  Schokolade besteht nur aus Produkten die nach Bio und Fairtrade Standards erzeugt und gehandelt werden. Nachdem der Teil zur Firmenentstehungsgeschichte abgeschlossen ist, geht es in the Interviews mehr über Zotters Ansichten und Meinungen. Da erfährt man zum Beispiel einiges mehr über Fairtrade, man hat häufig falsche Vorstellungen zu dem Thema,

Hilfst du mit deiner Einstellung eigentlich den Ärmsten der Armen?

Wenn man das behauptet, ist es leider ein Blödsinn. (…) Du hilfst denen, die schon bestimmte Vorraussetzungen erfüllen, (…). Ich kann zum Beispiel nur mit Leuten arbeiten, die wenigstens keine Analphabeten mehr sind. (S. 152)

Auch wenn fairer Handel nicht genau so funktioniert wie wir es uns vorstellen, dann ist er nicht automatisch schlecht, er hilft ja trotzdem ein Bisschen. In Kopfstand mit frischen Fischen wird auch die Einstellung von vielen kritisiert, wie zum Beispiel die des Bauern der die Milch lieferte. Drei Jahre hätte er Zeit gehabt, seine Milchproduktion auf Bio umzustellen, um Zotter nicht als Kunden zu verlieren, aber das war ihm zu viel Aufwand wegen den Behörden und so. Der Vorschlag Schulen mit Milch zu Beliefern war auch zu kompliziert und Jogurt selber machen passte auch nicht. Häufig ist unser größtes Problem, dass wir faul sind und es nicht ohne alle anderen wagen. Ein großer Teil des Buches befasst sich mit Zotters Ideen und Eindrücke zu Themen wie Verbraucher, Produktqualität oder Menschheit. Zotter scheint in fast allem Vorbildlich zu sein, denn sogar das Buch, also das Object, ist auch für den biologischen Kreislauf optimiert.

Eine Besonderheit des Buches ist, dass man es häufig “falsch” herum lesen muss. Es wird halt so einiges von Zotter anders gemacht, auch die Buchgestaltung … Wenn man über bestimmte Dinge mehr erfahren will, wie den Designer von den Schokoladenverpackungen, Andreas h. Gratze, was Fairtrade ist, wie die Schokoladenfabrikation funktioniert oder wer den die Kakaobauern sind, dann ist es ratsam das Buch auf den Kopf zu stellen. Das Buch muss, wie sein Titel schon sagt, einen Kopfstand machen, damit die “z o t t e r pedia” verständlich wird. Es ist ziemlich Bund, mit vielen Fotos ausgestattet und schönen Bildern von Andreas h. Gratze versehen. Öfters wird man zum lachen gebracht und man ist am besten dran, wenn man sich zwischendurch ein leckeres Stückchen Schokolade in den Mund schieben kann. Daran sind zum Teil, glaube ich, die vielen Fotos schuld, denn auf vielen sieht man die Manufaktur, die Kakaoernte und so manches Produkt.

Ich kann Kopfstand mit frischen Fischen nur weiter empfehlen, ich denke, dass das Buch für viele verschiedene Zielgruppen interessant seien kann: Schokoladenfans, Gründer, Weltverbesserer und Kritiker, Spaßvögel, Menschenfreunde, Personen die offen für etwas neues sind oder anders denken. Auch wenn man nicht immer unbedingt alle Ansichten teilt, so ist es doch ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Ich wünsche viel Spaß beim lesen, bestimmt ist die zweite Auflage auch sehr interessant.


Eine Buchrezension von Solveig Werner über: Kopfstand mit Frischen Fischen – Mein Weg aus der Krise von Josef Zotter mit Wolfgang Wildner und Wolfgang Sober, erschienen 2012, herausgegeben von  z o t t e r Schokoladen Manufaktur GmbH


  • Hier gibt es den Link zu Kopfstand mit frischen Fischen – Mein Weg aus der Krise von Josef Zotter (erschienen 2012) im Amazonshop.
  • Hier den Link zu Kopfstand mit frischen Fischen – Mein Leben, meine Überzeugungen von Josef Zotter (erschienen 2015/also die neue Auflage) auf der  z o t t e r  Webseite.
  • Und hier den Link zu dem Webshop von z o t t e r.
Advertisements

I won't bite, seriously!

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s