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“Wir brauchen für heute Nacht unbedingt eine Unterkunft!” sagte Tim mit ernster Miene zu seinem besten Freund Christian.

“Ich weiß, wir werden schon etwas finden”, erwiderte dieser gelassen.

“Wie kannst du bloß so ruhig sein? Meine Mutter wird mir die Hölle heiß machen, wenn sie erfährt, dass ich unter einer Brücke oder auf einer Parkbank übernachtet habe. Sie war ja schon von Anfang an gegen unseren Ausflug.”

Am frühen Morgen, waren Tim und Christian mit ihrem Nachtzug in dieser schönen Stadt angekommen, in der sie kein Wort verstanden. Das Abitur frisch in der Tasche, hatten sie sich entschieden eine schöne Reise zu unternehmen, bevor es mit dem Ernst des Lebens weiter gehen sollte.

Grün hinter den Ohren wie sie nun mal waren, hatten sie sich nicht darum gekümmert im Voraus nach Unterkunftsmöglichkeiten zu schauen, geschweige denn die nötigen Wörterbücher einzupacken.

“He, Tim, hatten wir nicht abgemacht nicht über Mütter, oder Weiber zu schwätzen?” foppte Christian seinen besorgten Freund. “Komm mach dir keine Sorgen, wir werden schon eine gute Unterkunft finden”, versuchte er ihn zu beruhigen.

Welcher den Tränen nahe erwiderte, “aber die Jugendherberge dort drüben war schon voll. Die Hotels sind alle viel zu teuer, die können wir uns nicht leisten”.

Schweigend gingen sie weiter durch die schöne Stadt, die ihnen immer bedrückender vorkam.

“Komm, wir fragen dort!”, Christian deutete auf ein Gebäude am Ende der Straße.

Eine knappe Stunde später lagen sie mit vollen Bäuchen auf harten Pritschen. Sie konnten ihr Glück kaum fassen. Eine kostenlose Unterkunft mit Abendessen und Frühstück.

“Gute Nacht Jungs”, sagte ein freundlicher Polizist in einem gebrochenem Schuldeutsch, hielt inne als er die Zelle zuschließen wollte, “nee euch muss ich ja nicht einschließen”.


Geschrieben von Solveig Werner

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